Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Deutsches Zentrum Immuntherapie

Sprecher:
Prof. Dr. med. Markus F. Neurath
Prof. Dr. med. univ. Georg Schett

Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen - Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Durchfälle, Bauschmerzen und Gewichtsverlust - Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen können ein schweres Krankheitsbild darstellen und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich einschränken

Zu den Chronisch Entzündlichen Darmerkrankungen (CED) gehören Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Beide Erkrankungen sind durch eine Entzündung des Verdauungstraktes gekennzeichnet. Beim Morbus Crohn kann der gesamte Verdauungstrakt (Mund, Speiseröhre, Magen, Dünndarm, Dickdarm) betroffen sein. Eine der Hauptorte der Entzündung stellt das Ende des Dünndarms dar (Ileitis terminalis), oftmals sind aber auch längere Abschnitte des Dünn- oder Dickdarms betroffen. Die Entzündung tritt abschnittsweise mit abwechselnd entzündeten und gesunden Darmabschnitten auf und verläuft durch alle Wandschichten der Darmschleimhaut. Im Verlauf der Erkankung kann es auch zu entsprechenden Komplikationen kommen (Fisteln, Stenosen).

Bei der Colitis ulcerosa ist der Dickdarm betroffen, sehr selten kann die Entzündung auch in das letzte Ende des Dünndarms überschwappen ("Backwash Ileitis"). Die Entzündung beginnt am Ende des Dickdarms (Rektum) und bereitet sich dort kontinuierlich aus. Die Entzündung kann sich auf das Ende des Dickdarms beschränken (Proktitis), den linken Teil des Dickdarms (Linksseiten-Colitis), einen Großteil des Dickdarms (subtotale Colitis) oder auch den gesamten Darm betreffen (Pancolitis).

Die Betroffenen leiden bei beiden Erkrankungen aufgrund der Entzündung der Darmschleimhaut an anhaltenden Durchfällen mit/ohne Blutbeimengung, krampfartigen Bauschmerzen, starkem Gewichtsverlust, Fieber, Nährstoffmangel, Müdigkeit und Blutarmut. Die CED sind aber nicht nur auf die Schleimhaut des Verdauungstrakts beschränkt, sondern es handelt sich um Erkrankungen, die den ganzen Körper betreffen können. Es kann dabei zu Entzündungen der Augen, der Haut oder den Gelenken kommen. Diese außerhalb des Darms auftretenden Beschwerden (extra-intestinale Manifestationen) können auch bei fehlender Krankheitssymptomatik des Darms auftreten und zu straken Beschwerden bei den betroffenen Patienten führen (z.B Gelenkschmerzen).

Zur Sicherung der Diagnose und zur Verlaufskontrolle der Erkrankung werden an unserem Hause alle notwendigen Untersuchungsverfahren angeboten und schonend durchgeführt. Diese beinhalten eine Untersuchung des Stuhls auf Bakterien, Blutuntersuchungen, Messungen der Knochendichte, Ultraschalluntersuchungen, Spiegelungen des Dickdarms und Magens mit Probenentnahme, MRT-Untersuchungen des Darms.

Die Betreuung von CED-Patienten erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachrichtungen. Falls bei Ihnen eine Manifestation der Erkrankung an der Haut oder den Gelenken stattfinden sollte, besteht eine enge Zusammenarbeit mit der hiesigen Hautklinik oder Rheumatologie. Weiterhin besteht eine enge Kooperation mit den radiologischen und chirurgischen Abteilungen unserer Klinik. Falls bei Ihnen eine Röntgen-Aufnahme oder eine MRT-Untersuchung notwendig sein sollte, werden wir für Sie einen entsprechenden Termin in unserem Hause vereinbaren. Falls bei Ihnen ein mögliches operatives Vorgehen notwendig sein sollte, werden wir Ihre Befunde ausführlich mit den Kollegen der chirurgischen Abteilung diskutieren und die geeignetste Therapie zusammen mit Ihnen festlegen.

Die Chronisch Entzündlichen Darmerkrankungen stehen in unserer Klinik auch im Zentrum vielfältiger patientenorientierter Forschungsvorhaben, welche es uns ermöglichen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse für eine effektive Therapie der Patienten zu erheben.

Immuntherapie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Eine überschießende Reaktion des Darmimmunsystems gegenüber der körpereigenen Darmflora spielt bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eine zentrale Rolle. Somit sind Immuntherapien, die diese überschießende Immunreaktion gezielt blockieren, für die Therapie der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen von herausragender Bedeutung. Wurden in den 80er und 90er Jahren vor allem noch Medikamente wie Corticosteroide und Azathioprin zur Immunsuppression verwendet, werden aktuell vor allem gentechnologisch hergestellte Antikörper (sogenannte Biologika) und Blocker von intrazellulären Schaltvorgängen in Immunzellen für eine gezielte Immuntherapie der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt. Hierzu gehören Antikörper gegen den Tumor-Nekrosefaktor (z.B. Infliximab, Adalimumab und Golimumab), Antikörper gegen sogenannte Integrine auf Immunzellen (z.B. Vedolizumab gegen das alpha4/beta7 Integrin) sowie Antikörper gegen IL-12/IL-23 p40 (z.B. Ustekinumab). Neben bereits zugelassenen Blockern von intrazellulären Schaltvorgängen (z.B. der Jak1/3 Blocker Tofacitinib bei Colitis ulcerosa) werden am DZI zur Therapie der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auch weitere sogenannte Jak Blocker und kleine Moleküle (z.B. DNazyme, siRNA) im Rahmen von klinischen Studien eingesetzt. Zudem werden weitere Antikörper gegen Zytokine und ihre Rezeptoren sowie Antikörper gegen Integrine (z.B. Etrolizumab) klinisch am DZI auf ihre Wirksamkeit bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen getestet. Ferner werden mehrere klinische Studien zum Vorhersagen des Ansprechens auf gezielte Immuntherapie durchgeführt (z.B. molekulare Bildgebung mittels Endomikroskopie), um für jeden Patienten individuell die bestmögliche Immuntherapie auswählen zu können.

 
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