Darmkrebs

Deutsches Zentrum Immuntherapie

Sprecher:
Prof. Dr. med. Markus F. Neurath
Prof. Dr. med. univ. Georg Schett
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Kolorektales Karzinom (Dickdarm- und Enddarmkrebs)

Das Karzinom des Dick- und Enddarms (Kolorektales Karzinom) gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Jährlich erkranken ca. 60.000 Patienten an dieser Tumorerkrankung. Die wichtigsten Risikofaktoren sind Nikotinkonsum und Übergewicht. Verwandte ersten Grades von Patienten mit Darmkrebs und Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind überdurchschnittlich häufig betroffen. Aktuelle Empfehlungen zur Krebsfrüherkennung umfassen eine Darmspiegelung (Koloskopie), bei der ggf. Krebsvorstufen, sogenannte Polypen, entfernt werden können. Die Festlegung des therapeutischen Prozederes beim Kolorektalen Karzinom erfolgt immer interdisziplinär im sogenannten Tumorboard. Neben Spezialisten aus der Chirurgie, der Gastroenterologie und Onkologie sind hier auch Kollegen aus den Fachrichtungen der Radiologie, Nuklearmedizin, Strahlentherapie und Pathologie vertreten. Die genannten Fachdisziplinen bilden zusammen das am Universitätsklinikum von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Darmkrebszentrum. Das therapeutische Vorgehen hängt von der Lokalisation und dem Stadium der Karzinomerkrankung ab. Bei sogenannten "Frühkarzinomen" mit einem sehr niedrigen Rezidivrisiko reicht eine alleinige endoskopische Resektion aus. In lokal fortgeschritteneren Stadien wird bei Tumoren des Kolon und des oberen Enddarmdrittels eine chirurgische Entfernung inclusive der Resektion der lokoregionären Lymphknoten empfohlen. Liegt das Karzinom im mittleren und unteren Enddarmbereich (Rektum), wird bei einer lokal fortgeschrittenen Situation eine sogenannte "neoadjuvante" Therapie aus Chemotherapie und Bestrahlung durchgeführt. Nach chirurgischer Resektion wird bei Vorliegen eines Kolonkarzinoms in Abhängigkeit des Befundes der feingeweblichen Untersuchung (Histologie) die Empfehlung zur Durchführung einer "adjuvanten" Chemotherapie ausgesprochen. Hierdurch sollen verbleibende, in radiologischen Verfahren nicht sichtbare Tumorzellnester abgetötet und somit die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Tumorrezidivs vermindert werden. Die Durchführung der systemischen Therapie erfolgt in der Onkologischen Sprechstunde.

Immuntherapie

Sollten Fernmetastasen vorliegen, die chirurgisch nicht (primär) entfernt werden können, kommt zunächst eine Chemotherapie ggf. in Kombination mit einem Antikörper gegen den EGF-Rezeptor oder gegen die VEGF-Familie zum Einsatz. Die medikamentöse Aktivierung des Immunsystems hat sich in den letzten Jahren zu einer wichtigen Säule der Krebstherapie, in erster Linie beim malignen Melanom und beim Lungenkarzinom, entwickelt. Hier kommen Antikörper zum Einsatz, die inhibitorische Signale der T-Zellaktivierung über die PD-1/PD-L1- und CTLA4-Signalkaskaskade unterbinden. Auch beim Kolorektalen Karzinom sind CD8+ T Zellen die zentralen Mediatoren einer gegen den Tumor gerichteten Immunantwort. Sie stellen die größte Untergruppe von T-Zellen unter den tumorinfiltrierenden Lymphozyten dar. Es besteht eine positive Korrelation zwischen der CD8+T-Zellinfiltration von Tumorzellnestern und der Überlebenszeit von Patienten mit kolorektalem Karzinom. Eine relevante Wirksamkeit der bei anderen Tumorentitäten so wirksamen, neuen Form der Immuntherapie bleibt bislang Patienten mit Dick- und Enddarmkrebs im metastasierten Stadium vorbehalten, bei denen eine sogenannte "Mikrosatelliteninstabilität" vorliegt. Weitere klinische Studien zur Immuntherapoe werden aktuell durchgeführt.

 
Kontakt

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