Urologische Tumore

Deutsches Zentrum Immuntherapie

Sprecher:
Prof. Dr. med. Markus F. Neurath
Prof. Dr. med. univ. Georg Schett

Urologische Tumore

In der Urologie haben in den letzten Jahren zahlreiche Studien dazu beigetragen, dass neue Medikamente geprüft werden konnten,  die nun Patienten mit uro-onkologischen Erkrankungen zur Verfügung stehen und die den Krankheitsverlauf teils in erheblichem Maße verzögern oder verbessern können. Die Urologische und Kinderurologische Klinik in Erlangen hat in Zusammenarbeit mit der Klinik für Hämatologie und Onkologie an vielen dieser Studien mit gezielten Immuntherapeutika teilgenommen und bietet über die Studienzentrale auch weiterhin unseren Patienten den Zugang zu neuen Therapien an. Bei den gezielten Immuntherapeutika handelt es sich vor allem um die so genannten Checkpoint-Inhibitoren, von denen es mittlerweile eine Vielzahl von Medikamenten gibt und die mittlerweile für eine ganze Reihe von unterschiedlichen Tumoren zugelassen sind.

Nierenkrebs

Bei der Therapie des metastasierten Nierentumors haben in den letzten Jahren vor allem Substanzen eine zentrale Rolle übernommen, die die Neu-Einsprossung von Gefäßen (Neo-Angiogenese) in den wachsenden Tumor bremsen, in dem sie Signale blockieren, die diesen Vorgang steuern. Mit Nivolumab in der Zweitlinie steht seit April 2016 erstmals ein Checkpoint-Inhibitor zur Verfügung, der die körpereigene Abwehr gegen Tumorwachstum dahingehend unterstützt, dass die Erkennung der veränderten Zellen durch die Abwehrzellen verbessert wird uns so die Krebszellen beseitigt werden können. Im  April 2019 ist nun aufgrund überzeugender Studiendaten der Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab auch für die Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms in Kombination mit Axitinib in den USA und im September 2019 auch in Europa zugelassen worden. Weitere Kombinationen mit Checkpoint-Inhibitoren werden wohl in naher Zukunft ebenfalls zur Verfügung stehen.

Harnblasenkrebs

In der Vergangenheit war die Standardtherapie für Patienten, die einer operativen Therapie mit Entfernung der Harnblase unterzogen wurden und ein hohes Risiko für ein Fortschreiten ihrer Erkrankung hatten, die Gabe einer Kombinations-Chemotherapie entweder vor der Operation (neoadjuvant) oder nach der Operation (adjuvant). Patienten die unter einer metastasierten Erkrankung litten, bekamen ebenfalls die gleiche Kombinations-Chemotherapie. Der Erfolg der Chemotherapie ist aber leider sehr beschränkt und kann auch nicht allen Patienten aufgrund ihrer Begleiterkrankungen oder ihres eingeschränkten Gesundheitszustandes verabreicht werden. So ist gerade beim fortgeschrittenen Harnblasentumor die systemische Behandlung durch die Checkpoint-Inhibitoren, die in einem sehr hohen Prozentsatz zu einer Erkrankungs-Stabilisierung beitragen, eine ganz wichtige Erweiterung des Therapie-Armentariums und definiert in vielen Situationen den neuen Standard.

Aber auch die Erforschung der molekulare Veränderungen von Harnblasentumoren liefern immer wieder neue Therapieansätze, wie die letzten vielversprechenden Studienergebnisse, an den auch Patienten aus Erlangen teilnahmen, zeigen konnten. Die Teilnahme der Erlanger Forscher am BRIDGE-Konsortium wird hier auch in Zukunft wichtige Impulse für solche klinisch relevanten Studien liefern.

Prostatakrebs

Die Immuntherapie spielt bei der Behandlung des Prostatakarzinoms bisher nur eine geringe Rolle. Hier stehen andere Strategien, wie die Hormonmanipulation, die Chemotherapie, die Strahlentherapie und seit jüngster Zeit die Hemmung von DNA-Reparaturmechanismen im Vordergrund. Zahlreiche Studien, an denen sich auch Erlanger Patienten beteiligten, konnten hier den enormen Therapiefortschritt in den letzten Jahren begleiten. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich Subgruppen von Patienten mit einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom identifizieren lassen, die möglicherweise doch von einer Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren profitieren könnten. Darüber hinaus werden im Rahmen des Prostatakarzinomzentrums durch den Zugang und die Teilnahme an Vakzinierungs-Studien immunologische Ansätze zur Therapie von Patienten, die an einem metastasierten Prostatakarzinom leiden, geprüft.

Zusammenfassend liefern gerade in der Uro-Onkologie die Verzahnung von molekularer Forschung und klinischen Studien die ideale Plattform für eine zukunftsgerichtete Erweiterung der Therapieoptionen. Die Immunonkologie stellt hierbei derzeit einen zentralen Baustein dar.

Publikationen

Eckstein M, Erben P, Kriegmair MC, Worst TS, Weiß CA, Wirtz RM, Wach S, Stoehr R, Sikic D, Geppert CI, Weyerer V, Bertz S, Breyer J, Otto W, Keck B, Burger M, Taubert H, Weichert W, Wullich B, Bolenz C, Hartmann A, Erlmeier F. Performance of the food and drug administration/EMA-approved programmed cell death ligand-1 assays in urothelial carcinoma with emphasis on therapy stratification for first-line use of atezolizumab and pembrolizumab. Eur J Cancer. 2019 Jan;106:234-243. doi: 10.1016/j.ejca.2018.11.007. Epub 2018 Dec 5.

Pfannstiel C, Strissel PL, Chiappinelli KB, Sikic D, Wach S, Wirtz RM, Wullweber A, Taubert H, Breyer J, Otto W, Worst T, Burger M, Wullich B, Bolenz C, Fuhrich N, Geppert CI, Weyerer V, Stoehr R, Bertz S, Keck B, Erlmeier F, Erben P, Hartmann A, Strick R, Eckstein M; BRIDGE Consortium, Germany. The tumor immune microenvironment drives a prognostic relevance that correlates with bladder cancer subtypes. Cancer Immunol Res. 2019 Jun;7(6):923-938. doi: 10.1158/2326-6066.CIR-18-0758. Epub 2019 Apr 15.

 
Kontakt

DZI-Hotline für Krebspatienten
Telefon: 09131 85-44944
Erreichbarkeit: Montag bis Freitag von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr

Kooperationspartner

Urologie
Medizin 5

CCC Erlangen-EMN