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Deutsches Zentrum Immuntherapie

Sprecher:
Prof. Dr. med. Markus F. Neurath
Prof. Dr. med. univ. Georg Schett
Uni-Klinikum, Medizinische Fakultät, Medizin 5

Kleines Protein liegt Fresszellen schwer im Magen

Erlanger Forschungsteam gewinnt neue Erkenntnisse über Knochenkrebs im Alter

Das Multiple Myelom ist eine Art des Knochenmarkkrebses, an dem vor allem Menschen über 60 Jahren erkranken und die in vielen Fällen nicht geheilt werden kann. Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Erlangen und der FAU Erlangen-Nürnberg haben nun im Rahmen eines von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projektes einen neuen Ansatz für eine mögliche Therapie dieses Krebses gefunden. Ihre Forschungsergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift „Immunity“ veröffentlicht (DOI: 10.1016/j.immuni.2021.07.002).

Das Multiple Myelom entsteht, wenn sich eine bestimmte Art von weißen Blutkörperchen, die sogenannten B-Zellen, unkontrolliert im Blut vermehrt. In der Folge werden die Knochen zerstört, die Patientinnen und Patienten leiden außerdem unter Blutarmut, chronischen Infektionen und Nierenproblemen. Obwohl mehrere wirksame Chemotherapien zur Verfügung stehen, spricht etwa ein Drittel der Patientinnen und Patienten nicht auf die verfügbaren Behandlungen an. Selbst wenn die Behandlung wirkt, wird der Tumor nicht geheilt, sondern kann irgendwann zurückkehren. Bereits bekannt war bisher, dass die Fresszellen des Immunsystems, die eigentlich wichtig für die Abwehr von Eindringlingen im Körper sind, beim Multiplen Myelom für den Tumor arbeiten. Sie unterstützen Entzündungen und fördern damit das Überleben des Tumors und dessen Wachstum.

Die Studie des Erlanger Forschungsteams um PD Dr. Heiko Bruns, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mackensen) des Uni-Klinikums Erlangen, in Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Mailand hat nun herausgefunden, was auf molekularer Ebene passiert, wenn die Fresszellen entzündliche Signale im Knochenmark ausschütten. Ein Blutbestandteil namens Beta-2-Mikroglobulin scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Denn je stärker der Knochenkrebs den Körper befallen hat, desto mehr dieses Eiweißes ist im Blut der Patientinnen und Patienten nachweisbar. Das Erlanger Team entdeckte nun, dass dies nicht nur ein Nebeneffekt der Erkrankung ist, sondern dass dieses Eiweiß die Fresszellen dazu bringt, die Erkrankung zu verschlimmern. Das Eiweiß wird nämlich von den Fresszellen verschlungen – aber nicht verdaut und abgebaut. Es liegt den Fresszellen gewissermaßen schwer im Magen, was diese dazu bringt, entzündlichen Signale auszusenden, die wiederum den Tumor und seine schädlichen Wirkungen im Körper zugutekommen. Das Forschungsteam konnte nachweisen, dass die Krebserkrankung deutlich abgemildert werden kann, wenn es gelingt, diese Entzündungssignale zu blockieren.

Dr. Heiko Bruns fasst zusammen: „Fresszellen, Makrophagen, sind essenzielle Zellen, um unseren Organismus gegen Tumorentstehung zu verteidigen. Viele Tumoren können diese Verteidigungslinie durchbrechen, weil es ihnen gelingt, der Makrophagen-Aktivität zu entgehen. Wir haben gesehen, dass das Multiple Myelom eine noch feinere Strategie anwendet: Es spielt die Makrophagen-Aktivität zu seinem eigenen Vorteil aus. Das Verständnis, wie das Multiple Myelom dies erreicht, ist äußerst relevant. Eine zielgerichtete Blockierung des Inflammasoms könnte zukünftig eine neue begleitende Therapiestrategie für Patientinnen und Patienten darstellen.“

Quelle: FAU Erlangen-Nürnberg

Weitere Informationen:

PD Dr. Heiko Bruns
Telefon: 09131 85-35000
E-Mail: heiko.brunsatuk-erlangen.de