Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Deutsches Zentrum Immuntherapie

Sprecher:
Prof. Dr. med. Markus F. Neurath
Prof. Dr. med. univ. Georg Schett

Der Schwerpunktbereich „Chronisch-Entzündliche Darmerkrankungen (CED)“ der Medizinischen Klinik 1 des Universitätsklinikums Erlangen zeichnet sich durch eine besondere Spezialisierung in der verbesserten Diagnosestellung, optimierten Therapie und fachübergreifenden Versorgung von CED-Patienten aus.

Versorgung der Patienten

Für die ambulante Versorgung der Patienten stehen täglich zwei bis drei Sprechstunden ausschließlich für die Versorgung von CED-Patienten zur Verfügung. Zur Anwendung kommen alle Immunsuppressiva (Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Methotrexat), Biologika (Infliximab, Adalimumab, Golimumab, Vedolizumab, Ustekinumab) und JAK-Hemmer (Tofacitinib), die für die Behandlung der CED vorgesehen sind. Es gibt einen eigenen Behandlungsraum für die intravenöse und subkutane Applikation von Biologika. Da diese modernen Therapien täglich und unter entsprechender Überwachung eingesetzt werden, liegt eine langjährige Erfahrung im Umgang mit diesen Substanzen vor. Die Kooperation mit niedergelassenen Kollegen und Krankenhäusern der Region, welche uns Patienten zur Überprüfung der Therapievoraussetzung und ggf. nachfolgender Applikation der Therapie überweisen, ist hervorragend. Diese Patienten können sich in Kooperation mit den überweisenden Kollegen entweder weiter am Universitätsklinikum behandeln lassen oder wieder bei den entsprechenden Kollegen vorstellen.

Die optimierte, fachübergreifende Versorgung der Patienten wird durch die enge Zusammenarbeit mit den Kollegen der Rheumatologie (Medizinische Klinik 3) und der Hautklinik in regelmäßig stattfindenden Besprechungen gewährleistet. Mit der pädiatrischen Abteilung wurde eine Kooperation zur Transition von jugendlichen CED-Patienten in den Erwachsenenbereich etabliert.

Durch das Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport der Medizinischen Klinik 1 profitieren die Patienten von den neuesten ernährungs-, bewegungs- bzw. sportmedizinischen Konzepten. Das Ziel der gemeinsamen Betreuung ist es, die anti-entzündlichen Therapien durch Ernährungs- und Bewegungstherapie zu ergänzen, um die Ernährungssituation und Prognose von CED-Patienten zu verbessern.

Klinische Studien für CED-Patienten

Für die dringend notwendige Versorgung von CED-Patienten, welche auf die zugelassenen Therapien nicht ansprechen, wurde eine eigene Studienambulanz eingerichtet (bislang Teilnahme an über 50 Phase I-IV Studien bei CED-Patienten). Schwerpunkte dabei sind vielversprechende Studien mit Substanzen, welche in der letzten Phase vor der Zulassung getestet werden. Bei diesen Substanzen liegen schon vielversprechende Daten aus vorherigen Studien vor, welche eine hohe Wirksamkeit der Medikamente erwarten lassen (neuartige Integrin-Antikörper, IL-23 Antikörper, JAK-Inhibitoren, IL-36R Antikörper und mesenchymalen Stammzellen).

Hervorzuheben ist hier auch die Durchführung von Studien, bei der der Schwerpunktbereich als Leiter der klinischen Studie auftritt. Hier werden vielversprechende und neuartige Wirkstoffkandidaten für einen erfolgreichen therapeutischen Ansatz exklusiv eingesetzt, basierend auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen (klinische Phase II-Studie mit einem GATA3 DNAzym bei Colitis ulcerosa, eine siRNA Blockade von Carbohydratsulfotransferase 15 bei Morbus Crohn, ein TLR-9 Agonisten bei Colitis ulcerosa Patienten). Die CED-Studienambulanz ist mit mehreren zertifizierten Studienschwestern besetzt. Die Patienten werden vom oberärztlichen Leiter des Schwerpunktbereiches CED und den Assistenzärzten betreut. Es steht ein eigener Untersuchungs- und Behandlungsraum nur für die Durchführung von klinischen Studien zur Verfügung. Durch diese Voraussetzungen können entsprechend refraktären Patienten alternative Therapieoptionen angeboten werden.

Innovative bildgebende Verfahren

Für CED-Patienten ist eine optimierte endoskopische Versorgung aufgrund des erhöhten Dramkrebsrisikos von besonderer Bedeutung. An der Medizinischen Klinik 1 werden für die endoskopische Diagnostik neueste, hochauflösende Gerätegenerationen verwendet, um die Darmschleimhaut präziser beurteilen zu können. Die konfokale Laserendomikroskopie beispielsweise ermöglicht eine genauere Beurteilung einzelner Zellen der Darmschleimhaut.
Für eine Phase I/IIa Studie zur molekularen Endoskopie bei Colitis ulcerosa Patienten vor einer Adalimumab-Therapie, wird ein Farbstoff-markierter anti-TNF Antikörper aus eigener Herstellung während der Endoskopie lokal auf die Darmschleimhaut der Patienten appliziert, um anschließend mittels endoskopischer konfokaler Laserendomikroskopie die Zahl der TNF positiven Zellen in der Darmschleimhaut auszuzählen. Damit soll eine Vorhersage auf das Ansprechen einer nachfolgenden Therapie mit dem anti-TNF Antikörper Adalimumab gemacht werden. In einer vorangegangenen Therapie bei Morbus Crohn Patienten konnte hier erfolgreich das therapeutische Ansprechen auf eine nachfolgende anti-TNF Antikörper Therapie vorausgesagt werden.

Neben den erwähnten endoskopischen Verfahren, repräsentiert die Sonographie ein weiteres bedeutendes Untersuchungsverfahren zur Feststellung der Krankheitsaktivität bei CED-Patienten. Neben der konventionellen Verfahren wurde weltweit erstmalig ein neues diagnostisches Verfahren bei CED-Patienten etabliert: Die multispektrale optoakustische Tomographie (MSOT). Mit dieser Technik wird in Studien aktuell die genaue Erfassung der Entzündungsaktivität der Darmschleimhaut untersucht.

 
Kontakt

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