Neuroendokrine Tumoren

Deutsches Zentrum Immuntherapie

Sprecher:
Prof. Dr. med. Markus F. Neurath
Prof. Dr. med. univ. Georg Schett

Neuroendokrine Tumoren

Neuroendokrine Tumoren (NET) sind seltene und heterogene Tumoren mit einer variablen und unspezifischen Symptomatik, die überwiegend im Gastrointestinaltrakt, aber auch in der Lunge und zahlreichen anderen Organen auftreten können. Ausgangspunkt sind sogenannte neuroendokrine Zellen, die Eigenschaften ähnlich den Zellen des Nervensystems und endokriner Zellen besitzen; sie haben die Eigenschaft Hormone oder andere Botenstoffe auszuschütten. Die meisten NET entwickeln sich sporadisch, können jedoch auch erblich bedingt auftreten. Eine Untergruppe der neuroendokrinen Neoplasien werden als neuroendokrine Carcinome bezeichnet. Sie zeichnen sich durch eine hohe Proliferationsrate und rasches Wachstum aus.

Diagnostik

Häufig werden NET erst diagnostiziert, wenn eine Metastasierung bereits erfolgt ist. Durch die klinische Heterogenität dieser Tumoren und das seltene Vorkommen stellt die Diagnose eines NET eine große Herausforderung dar. Bildgebende Verfahren zur Tumorlokalisation, biochemische Tests sowie die pathologische Analyse von Gewebsproben sind dabei vorrangig. Eine umfassende und gründliche Tumoranalyse ist von entscheidender Bedeutung für die nachfolgende zielgerichtete Behandlung der Patienten.

Therapie

Mögliche therapeutische Maßnahmen umfassen einen chirurgischen Eingriff, den Einsatz von Somatostatinabkömmlingen, molekular zielgerichtete Therapien (Tyrosinkinase-Inhibitoren, Everolimus), Chemotherapie, Peptidrezeptor-basierte Radionuklidtherapie (PRRT)) sowie in ausgewählten Fällen auch eine Immuntherapie.
Oft kommt es zu einem kombinierten therapeutischen Konzept bestehend aus einer systemischen Behandlung in Kombination mit einer lokalen Therapie. Die Immuntherapie ist bisher keine etablierte Therapie bei NET. Erste Studien erbrachten bei unselektioniertem Patientengut eher ernüchternde Ergebnisse. Einige Patienten können jedoch von der Therapie profitieren und bestimmte Eigenschaften des Tumors, die an einer Gewebeprobe erfasst werden können, ermöglichen in ausgewählten Fällen einen zusätzlichen immuntherapeutischen Ansatz. Anhand der Anamnese, des Allgemeinzustandes und der diagnostischen Konstellation wird für jeden einzelnen Patienten ein individuelles Therapieprotokoll erstellt.

Durch die Heterogenität der NET und des breit gefächerten Spektrums an therapeutischen Maßnahmen müssen NET-Patienten interdisziplinär von Chirurgen, Radiologen, Gastroenterologen, Endokrinologen und Onkologen behandelt werden. All dies wird am Universitätsklinikum Erlangen gewährleistet. Einmal wöchentlich werden Patientenfälle in unserem interdisziplinären neuroendokrinen Tumorboard diskutiert.

Klinische Studien

Bedingt durch die Seltenheit der NET-Erkrankungen und der relativ geringen Anzahl der dafür zugelassenen Medikamente gab es bislang nicht sehr viele prospektive Studien. Mit dem Aufkommen neuer Wirkstoffe und der Etablierung zertifizierter NET-Zentren wurden mittlerweile mehrere Phase III-Studien initiiert.  

COMPETE Studie: komparative Phase-III-Studie zur Wirksamkeit von 177Lu-Edotreotid vs Everolimus bei gastroenteropankreatischen (GEP) Neuroendokrinen Tumoren.

NETTER-2 Studie: Komparative Studie zur Wirksamkeit von Lutathera im Vergleich zu Hochdosis- Octreotidtherapie bei fortgeschrittenen G2/ G3 Neuroendokrinen Tumoren in der Erstlinientherapie.

Bereits geschlossene Studien:
Untersuchung zur Wirksamkeit und Sicherheit des Checkpointinhibitors Spartalizumab (PDR001) bei Patienten mit fortgeschrittenen oder metastasierten, nicht-funktionellen neuroendokrinen Tumoren mit Ursprung in der Bauchspeicheldrüse, dem Magen-Darm-Trakt oder der Lunge, sowie bei neuroendokrinen Carcinomen.  

CLARINET forte: Wirksamkeit von Lanreotid Autogel® 120 mg alle 14 Tage bei gut differenzierten, metastasierten oder lokal fortgeschrittenen pankreatischen oder intestinalen neuroendokrinen Tumoren nach Progression unter Lanreotide Autogel® 120 mg alle 28 Tage.

EVINEC: Sicherheit und Tolerabilität von Everolimus als Zweitlinientherapie bei schlecht differenzierten neuroendokrinen Karzinomen G3 (WHO 2010) and neuroendokrinen Tumoren G3.