Systemischer Lupus Erythematodes (SLE)

Deutsches Zentrum Immuntherapie

Sprecher:
Prof. Dr. med. Markus F. Neurath
Prof. Dr. med. univ. Georg Schett

Systemischer Lupus Erythematodes (SLE)

Klassisches Schmetterlingserythem beim SLE

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine oft schwere Autoimmunerkrankung, bei der eine gegen den eigenen Körper gerichtete fehlgeleitete Immunantwort zu Entzündungsreaktionen und Organschäden führt. Charakteristischerweise richtet sich diese Autoimmunreaktion gegen Bestandteile von Zellkernen wie Histonproteine und doppelsträngige DNA. Daher können im Rahmen des SLE prinzipiell alle Zellen und Organsysteme betroffen sein. Besonders häufig kommt es jedoch zu einer Beteiligung von Haut, Gelenken, Nieren oder dem Nervensystem. Zudem kann es zu einer Zerstörung von Zellen des blutbildenden Systems (z.B. weiße und rote Blutkörperchen oder Blutplättchen) kommen, was Anämie (Blutarmut), Blutungen, aber auch Thrombosen nach sich ziehen kann. Aufgrund dieser vielfältigen und unterschiedlichen Symptome wird der SLE oft erst spät diagnostiziert und behandelt.

Obwohl die Ursachen dieser Erkrankung bisher nicht im Detail geklärt werden konnten, dürften genetische Faktoren (z.B. bestimmte HLA Risikoallele oder genetische Komplementdefekte) und Umweltfaktoren (z.B. Veränderungen der Bakterienflora im Darm) mitverantwortlich für die Entwicklung des SLE sein. Letztendlich scheint bei vielen Patienten eine fehlerhafte Entsorgung toter (apoptotischer) Zellen durch das Immunsystem zu einer Autoimmunreaktion gegen deren Bestandteile (z.B. degradierte zelleigene DNA) zu führen. Nahezu alle SLE Patienten entwickeln dementsprechend sog. Autoantikörper-produzierende B-Zellen und Autoantikörper gegen doppelsträngige DNA, welche nicht nur eigene Zellen und Organe schädigen, sondern auch wichtig für die Diagnostik dieser Erkrankung sind.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

  • Klinische und bildgebende Untersuchungen der Haut, der Gelenke, innerer Organe und des Nervensystems
  • Bestimmungen verschiedener Autoantikörper (u.a. Antikörper gegen doppelsträngige DNA) und anderer immunologischer Veränderungen im Blut
  • Urinuntersuchung
  • Ggf. Probeentnahme (Biopsie) aus Haut oder Niere

Wie wird die Erkrankung behandelt?

Durch das bessere Verständnis der zugrundeliegenden immunologischen Vorgänge stehen uns heute eine Reihe gut wirksamer und verträglicher Therapien für die Behandlung des SLE zur Verfügung. Für einen Therapieerfolg ist aber v.a. die gute Zusammenarbeit des Patienten mit einem Spezialisten (Rheumatologen) und weiteren Fachdisziplinen (u.a. Dermatologen, Nephrologen und Neurologen) sowie dem Hausarzt essentiell.

Hydroxychloroquin und Cloroquin (früher auch in der Therapie von Malaria verwendet) stellen eine wichtige Basis der SLE Therapie dar. Durch ihre immunmodulierende Wirkung greifen diese gut verträglichen Substanzen früh in die Pathogenese der Erkrankung ein.

Bei schwereren Erkrankungsverläufen muss vorübergehend eine Immunsuppression mit Glucocorticoiden (Cortison) durchgeführt werden, welche im Anschluss durch eine dauerhafte Basistherapie mit Basistherapeutika wie Azathioprin oder Mycophenolatmofetil fortgeführt wird.

Neu entwickelte Immuntherapien richten sich u.a. gegen die autoreaktive B Zellantwort. Hier werden beispielsweise über die Verabreichung von monoklonalen Antikörpern wie Belimumab, essentielle Wachstumsfaktoren für diese Zellen gehemmt, was zu einem Abfall der Autoantikörper, einer Hemmung der Entzündung und einer deutlichen Symptombesserung beim Patienten führt.

Forschung am DZI zum Thema SLE

Am DZI werden die Ursachen dieser Erkrankung mit modernen molekularbiologischen und immunologischen Methoden am Menschen und im Tiermodell erforscht. Hier richtet sich der Fokus auf das bessere Verständnis der Mechanismen, die zur Entsorgung toter (apoptotischer und nekrotischer) Zellen beitragen und somit Autoimmunität (und SLE) verhindern. Zudem wird die Biologie von B-Zellen und die Rolle von Autoantikörpern bei dieser Erkrankung untersucht.

Am DZI finden laufend klinische Studien mit neuen Therapieansätzen zur Verbesserung der Therapie bei SLE statt. Dies schließt vor allem den Einsatz neuer monoklonaler Antikörper mit ein.

 
Kontakt

DZI-Hotline für Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen
Telefon: 09131 85-40333
Erreichbarkeit: Montag bis Freitag von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr

Kooperationspartner

Medizin 3