Rheumatoide Arthritis

Deutsches Zentrum Immuntherapie

Sprecher:
Prof. Dr. med. Markus F. Neurath
Prof. Dr. med. univ. Georg Schett

Rheumatoide Arthritis

Abb. 1 Computertomografie von Fingergelenken betroffener Patienten (oben) im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen (unten).

Die rheumatoide Arthritis (kurz: RA, früher auch als chronische Polyarthritis bezeichnet) ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankung und betrifft ca. 1% der Bevölkerung weltweit. Im Rahmen dieser chronisch-entzündlichen Erkrankung tritt eine schmerzhafte und häufig schubweise Entzündung mit Schwellungen und Überwärmung unterschiedlicher Gelenke (u.a. der Hände und Füße) auf. Es kommt zu einer systemischen Entzündungsreaktion, welche auch innere Organe und andere Gewebe wie Gefäße, Knochen oder Lunge schädigen kann.

Unbehandelt kommt es somit zu einer zunehmenden Schädigung der betroffenen Gelenke und Organe, wobei v.a. gelenknahe Knochen und Knorpel stark geschädigt werden können (Abb. 1).

Die Entwicklung moderner und gut verträglicher Immuntherapien (u.a. Biologika) ermöglicht mittlerweile in den allermeisten Fällen eine effiziente und nebenwirkungsarme Behandlung von betroffenen Patienten. Hierdurch kann der Krankheitsverlauf aufgehalten und somit Gelenke und innere Organe geschützt werden und Patienten können zumeist beschwerdefrei und ohne Einschränkungen im Alltag leben.

Dennoch ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlungsbeginn sowie die Betreuung durch Spezialisten (Rheumatologen) wichtig, um einen optimalen Therapieerfolg zu ermöglichen. Eine vollständige Heilung der Erkrankung ist aktuell jedoch noch nicht möglich und Patienten benötigen in aller Regel dauerhaft eine medikamentöse Therapie. Die Ursachen der rheumatoiden Arthritis sind weiterhin nicht vollständig geklärt.  Nach heutigem Wissen spielen sowohl genetische Risikofaktoren als auch Umweltfaktoren (wie z. B. Rauchen oder Parodontitis) in der Entstehung der Erkrankung eine wesentliche Rolle. Eine wichtige Rolle dürfte auch das sog. Mikrobiom (v.a. die Zusammensetzung der Bakterienflora im Darm) einnehmen. Frühzeitig scheint es durch diese Risikofaktoren zu einer Autoimmunreaktion (Autoantikörper) zu kommen, die den eigenen Körper angreift und die Entzündung der Gelenke verursacht. Der Nachweis dieser Autoantikörper nimmt in der Diagnose der Erkrankung mittlerweile einen wichtigen Stellenwert ein.

Wie stellt der Arzt die Diagnose

  • Klinische Untersuchung der Gelenke auf Schmerz und Schwellung
  • Messung der Entzündungswerte und des Rheumafaktors
  • Bestimmung der Autoantikörper (CCP Antikörper)
  • Einsatz von bildgebenden Verfahren (Röntgen, Sonografie, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie)

 

Wie wird die Rheumatoide Arthritis behandelt?

  • Methrotrexat (ein Immunsuppressivum) ist der Goldstandard der Therapie der rheumatoiden Arthritis und wird einmal wöchentlich in Tabletten- oder Spritzenform eingenommen.
  • Biologika sind biologisch hergestellte Eiweiße, die beispielsweise gegen entzündungsfördernde Botenstoffe (z. B. Interleukin-6) gerichtet sind und deren Wirkung hemmen. Sie kommen beim Versagen der Therapie mit Methrotrexat zum Einsatz.
  • Sog. „Small molecules“ (z.B. JAK-Inhibitoren) sind maßgeschneiderte (am Computer designte) Moleküle, welche die Signalübermittlung in Entzündungszellen beeinflussen und somit effektiv die Entzündung hemmen. Sie können in Tablettenform eingenommen werden und stellen die neueste Entwicklung in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis dar.

Tipps für den Alltag

Ausgewogene, mediterrane Ernährung, regelmäßige sportliche Aktivität, Verzicht auf Nikotin.

Aktuelle Forschung zur rheumatoiden Arthritis am Deutschen Zentrum für Immuntherapie (DZI)

Neben der Erforschung der Krankheitsursachen und der Krankheitsentstehung fokussiert sich das DZI auf die verbesserte und frühzeitigere Diagnose der Erkrankung und Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze die u.a. eine dauerhafte Heilung zum Ziel haben.

Im Rahmen der durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Forschergruppe „PANDORA“ (FOR2886) werden mit Hilfe modernster immunologischer und molekularbiologischer Methoden die Rolle des Mikrobioms, die Entstehung von Autoantikörpern, der Beitrag autoreaktiver T- und B-Zellen sowie Ursachen für den eigentlichen Erkrankungsausbruch bei Patienten mit rheumatoider Arthritis untersucht.

Durch den Einsatz neuer Bildgebungsverfahren in der Rheumatologie (inkl. hochauflösender CT Untersuchungen sowie metabolischer MRT Verfahren im Rahmen der „Emerging Field Initiative“ (EFI) der Friedrich Alexander Universität) soll die Erkennung frühzeitiger Veränderung der Knochenstruktur sowie ein „metabolischer Fingerabdruck“ zur besseren Diagnose dieser Erkrankung beitragen.

Am DZI zielen aktuelle klinische Studien bei Patienten mit rheumatoider Arthritis auf eine Verbesserung der Knochenstruktur durch „small molecules“ sowie erstmalig auf Heilungsversuche durch den kombinierten Einsatz neuartiger immunmodulatorischer Biologika ab.

 
Kontakt

DZI-Hotline für Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen
Telefon: 09131 85-40333
Erreichbarkeit: Montag bis Freitag von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr

Kooperationspartner

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