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Deutsches Zentrum Immuntherapie

Sprecher:
Prof. Dr. med. Markus F. Neurath
Prof. Dr. med. univ. Georg Schett
Uni-Klinikum, Strahlenklinik

Schnell und individuell bei optimaler Bildgebung

Strahlenklinik erhält neues hochmodernes Bestrahlungsgerät

Den Tumor so präzise wie möglich bestrahlen – dabei aber gesundes Gewebe schonen. Die Behandlung für die Patientin oder den Patienten so angenehm wie möglich gestalten – dabei aber gestochen scharfe Bilder für die Ärztinnen und Ärzte erzeugen. Die Dauer der einzelnen Therapiesitzung so kurz wie möglich halten – dabei aber ein optimales Ergebnis erzielen. Dank eines hochmodernen Linearbeschleunigers sind das keine Widersprüche mehr! Das System namens Halcyon wurde heute (20.07.2021) offiziell an die Strahlenklinik (Direktor: Prof. Dr. Rainer Fietkau) des Universitätsklinikums Erlangen übergeben. Das neue Bestrahlungsgerät der zu Siemens Healthineers gehörenden Firma Varian, das im Gebäude der Frauenklinik untergebracht ist, kommt jetzt in der Krankenversorgung zum Einsatz. Insbesondere Patientinnen und Patienten mit bestimmten Krebserkrankungen profitieren von der noch schnelleren Behandlung, die an jede Person und ihre Anatomie individuell angepasst werden kann.
Von links: Dr. Albrecht Bender (Kaufmännischer Direktor des Uni-Klinikums Erlangen), Bernd Ohnesorge (Leiter Europe, Middle East & Africa bei Siemens Healthineers), Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro (Ärztlicher Direktor des Uni-Klinikums Erlangen), Laurent Amiel (Leiter Radioonkologie Europe, Middle East, India & Africa bei Varian) und Prof. Dr. Rainer Fietkau (Direktor der Strahlenklinik des Uni-Klinikums Erlangen). Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen

„Da wir in den vergangenen Monaten einen Standort aufgeben mussten, freuen wir uns sehr, dass uns nun wieder fünf Linearbeschleuniger für die Behandlung unserer Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen“, sagte Prof. Dr. Rainer Fietkau, Direktor der Strahlenklinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Dass es sich dabei um ein so innovatives System handelt, das unser bisheriges Beschleuniger-Portfolio optimal ergänzt, verdoppelt die Freude!“

„Wir freuen uns sehr, dass wir die traditionell sehr enge Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum unseres Heimatstandorts Erlangen nach dem Zusammenschluss von Siemens Healthineers mit Varian nun auch im Bereich der Onkologie weiter intensivieren können“, ergänzte Bernd Ohnesorge, Leiter Europe, Middle East & Africa bei Siemens Healthineers. „Gemeinsam mit unseren neuen Kollegen von Varian möchten wir dem Universitätsklinikum Erlangen während aller Phasen der onkologischen Diagnostik und Therapie ein starker und verlässlicher Partner sein, um zum Wohle seiner Patientinnen und Patienten bestmögliche Behandlungsergebnisse zu erzielen.“

Auch für Varian war die offizielle Übergabe ein besonderer Anlass, handelte es sich doch um das 300. Varian-System in Deutschland. „Die Strahlentherapie gehört zu den wichtigsten Verfahren der modernen Krebstherapie und kommt heute bei mehr als der Hälfte aller Krebsbehandlungen zum Einsatz. Bei Varian dreht sich alles um die Entwicklung intelligenter Lösungen für die Krebsbehandlung. In diesem Sinne sind wir sehr stolz auf zwei Dinge: Zum einen, dass das 300. Varian-System in Deutschland ein Halcyon-System ist. Zum anderen, dass dieses System in der Strahlenklinik des Universitätsklinikums Erlangen installiert wurde und somit die Klinik und vor allem ihre Patientinnen und Patienten davon profitieren können“, sagte Laurent Amiel, Leiter Radioonkologie Europe, Middle East, India & Africa bei Varian.

Technische Raffinessen

Das Halcyon-System vereint viele technische Raffinessen in einem Gerät. „Dazu gehört der neue iterativ rekonstruierende Algorithmus für das Kegelstrahl-Computertomografiesystem, kurz iCBCT: Er liefert den Ärztinnen und Ärzten bessere Bilder“, erläuterte Prof. Dr. Christoph Bert, Leiter der medizinischen Physik der Strahlenklinik. „Ein weiterer Pluspunkt ist das geschlossene Gehäuse. So kann sich die Bestrahlungsquelle, die sogenannte Gantry, schneller drehen, und das verkürzt die Behandlungsdauer für die Patientin bzw. den Patienten.“ Hinzu kommt die Technik „Flattening Filter Free“ – die ausgleichskörperfreie Bestrahlung, mit der eine höhere Dosis pro Minute verabreicht werden kann.

Umbaumaßnahmen nötig

Zwar handelt es sich bei Halcyon um ein kompaktes Gerät, dennoch musste vor der Installation am Uni-Klinikum Erlangen zunächst umgebaut werden. „Das ist ganz normal. Ein Linearbeschleuniger läuft etwa 10 bis 15 Jahre lang, dann tauschen wir ihn aus und passen die Räume an die neue Technik an“, erklärte Prof. Bert. Da Halcyon über eine integrierte Strahlabschirmung verfügt – eine weitere technische Raffinesse –, musste der Strahlenschutz diesmal nicht ertüchtigt werden. Allerdings entschieden sich die Fachleute für eine Runderneuerung der Klima- und Lüftungsanlage, verlegten neue Stromleitungen, brachten die IT auf den aktuellen Stand und richteten alle Zimmer – darunter auch der Wartebereich – neu ein. „Das Gerät selbst und der Bestrahlungstisch müssen durch ein Spezialfundament fest im Boden verankert sein“, ergänzte Christoph Bert. „Allein deshalb ist es nicht möglich, einfach das alte Gerät hinaus- und das neue hineinzuschieben.“

Vorteile für Patienten und Mitarbeiter

Die größten Vorteile für die Patientinnen und Patienten sind die Schnelligkeit und die exzellente Bildgebung, die sicherstellt, dass der Tumor bei jedem Termin richtig auf den Behandlungsstrahl ausgerichtet ist. „Außerdem verfügen wir zusätzlich über ein deutschlandweit einzigartiges Oberflächenkamerasystem“, sagte Prof. Fietkau. „Es vereinfacht die exakte Positionierung des Körpers, überwacht diese während der Bestrahlung und kann so sicherstellen, dass die Patientinnen bzw. Patienten den Atem-Anweisungen Folge leisten, damit der Tumor beispielsweise nur beim Ausatmen bestrahlt wird.“ Letzteres ist wichtig, da sich durch die Bewegungen der Lungenflügel auch die Lage des Tumors verändern kann. „Da wir ihn bei zahlreichen unterschiedlichen Indikationen einsetzen können, erweitert dieser fünfte Linearbeschleuniger unsere Möglichkeiten deutlich“, betonte der Klinikdirektor. „Die anderen vier Geräte haben ebenfalls spezielle Einsatzgebiete, zum Beispiel die bewegungsgesteuerte Bestrahlung oder die stereotaktische Radiotherapie von Hirntumoren. Daher können wir jede Patientin und jeden Patienten dem idealen Behandlungsgerät zuordnen sowie künftig mehr Spezialtherapien durchführen.“ Auch die Teams der Strahlenklinik profitieren von dem neuen System, das für sie einfach zu bedienen ist und einen praxisnahen Workflow aufweist. Dies unterstützt die Zielsetzung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Strahlenklinik an allen fünf Standorten: nämlich neben der technisch optimalen Bestrahlung der Patientinnen und Patienten, diese menschlich und warmherzig durch die für sie schwierige Zeit der Behandlung zu führen und sie mit allen notwendigen unterstützenden und medikamentösen Begleittherapien zu versorgen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Rainer Fietkau
Telefon: 09131 85-33405
E-Mail: sekretariat.strahlenklinikatuk-erlangen.de