Zum Hauptinhalt springenSkip to page footer

60 Jahre Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg

60 Jahre Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg

Jubiläum unterstreicht Bedeutung von Organspende und Transplantationsmedizin

Unter dem Motto „60 Jahre Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg: Erfahrung. Fortschritt. Zukunft“ hat das Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg des Uniklinikums Erlangen am Montag, 21. September 2026, sein Jubiläum gefeiert. An diesem Tag kamen Menschen, die sich ärztlich, pflegerisch, wissenschaftlich oder gesellschaftlich für die Transplantationsmedizin engagieren, mit Patientinnen und Patienten, Organspenderinnen und -spendern sowie Organempfängerinnen und -empfängern zusammen, um gemeinsam auf sechs Jahrzehnte Medizingeschichte zurückzublicken und gleichzeitig den Blick nach vorn zu richten. Auch Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder schickte eine Videogrußbotschaft.

„Wir danken heute vor allem denjenigen, die Transplantationen durch ihre persönliche Arbeit möglich gemacht haben und dies weiterhin tun, sowie allen Organspenderinnen und -spendern“, sagte Dr. Katharina Heller, Leiterin der Geschäftsstelle des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg. Den Auftakt der Feier markierte ein gemeinsamer Fototermin an einem neu gepflanzten Ginkgobaum auf der Piazetta im Erlanger Ulmenweg. „Der Ginkgo wird von vielen Menschen als kraftspendend und lebensverlängernd betrachtet. Von jetzt an steht er hier als Symbol für die Organspende, für die Hoffnung auf ein neues Leben und die Verbundenheit und Dankbarkeit, die daraus erwachsen“, erklärte Dr. Heller. Der Baum wurde vom Landesverband Niere Bayern e. V. – Regionalgruppe Mittelfranken aufgrund des 50-Jährigen Bestehens der Nierenselbsthilfe gespendet; die benachbarte Sitzbank wurde vom Verein zur Förderung der Nierentransplantationsmedizin e. V. gestiftet, vertreten durch dessen Vorsitzenden Prof. Dr. Mario Schiffer.

Über 4.500 Organe transplantiert

1966 gegründet, war das Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg das erste Transplantationszentrum in Bayern und das dritte in Deutschland. Die erste Organverpflanzung, die am 4. Mai 1966 in Erlangen durchgeführt wurde, war eine Lebendnierentransplantation. „Bis heute spielt diese Form der Organspende eine große Rolle in unserem Zentrum“, erklärte Katharina Heller, die schon viele Lebendspendepaare auf dem Weg zur Transplantation begleitet hat. Seit 1966 nahmen Ärztinnen und Ärzte in Erlangen 553 Lebendnierentransplantationen bei Erwachsenen vor. Bei Kindern wurden bis dato insgesamt 166 Nieren transplantiert, wobei Lebend- und postmortale Spenden hier zusammengefasst sind. Seit 2006 sind Lebendnierentransplantationen in Erlangen auch dann möglich, wenn die Blutgruppen von Spenderin bzw. Spender und Empfängerin bzw. Empfänger nicht kompatibel sind. In diesem Fall wird die Person, die das Organ erhält, medikamentös so vorbereitet, dass ihr Körper das Spenderorgan trotzdem toleriert. Dazu werden Antikörper gegen die fremde Blutgruppe aus dem Blut der Empfängerin bzw. des Empfängers entfernt. 

Auch was die OP-Techniken betrifft, bleibt Erlangen am Puls der Zeit: So sind etwa minimalinvasive Nierenentnahmen bei der Lebendspende seit 2015 Standard. 2025 war das Uniklinikum Erlangen zudem das erste Transplantationszentrum Bayerns, in dem eine Niere mit dem Da-Vinci-OP-Roboter transplantiert wurde. Insgesamt erhalten in der Hugenottenstadt jährlich rund 100 Kinder und Erwachsene ein Spenderorgan – eine Niere, eine Bauchspeicheldrüse oder ein Herz. Insgesamt wurden seit der Gründung des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg über 4.500 Organe verpflanzt. Darüber hinaus gehören auch Transplantationen der Augenhornhaut sowie Knochenmark- und Stammzelltransplantationen zum Leistungsspektrum. 

Aufklärungsarbeit zur Organspende

„Transplantationsmedizin braucht aber nicht nur medizinische Expertise. Sie braucht auch Vertrauen. Und dieses Vertrauen entsteht durch Transparenz, durch sorgfältige Aufklärung und durch verantwortungsvolle Kommunikation“, unterstrich Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Erlangen, in seiner Rede. Entsprechend erklärte Dr. Heller: „Uns ist es schon immer sehr wichtig, das Thema Organspende in die Öffentlichkeit zu tragen, aufzuklären und Ängste abzubauen.“ Unter anderem deshalb bietet das Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg regelmäßig Schülerinnen-und-Schüler-Seminare zum Thema Organspende an; auch Lehrkräfte werden spezifisch informiert. Für Patientinnen und Patienten vor oder nach Organtransplantationen gibt es spezielle Programme, die sie einerseits optimal auf die Operation vorbereiten („Fit auf der Warteliste“) und die andererseits eine lange Funktionsdauer des gespendeten Organs ermöglichen („Fit mit der neuen Niere“). 

Gemeinsam für ein Ziel

„Alle Entscheidungen werden in unseren interdisziplinären Transplantationskonferenzen und natürlich gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten getroffen“, erklärte Prof. Dr. Robert Grützmann, Sprecher des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg. Beteiligte Disziplinen sind – je nach Spenderorgan – u. a. Chirurgie, Herzchirurgie, Gefäßchirurgie, Nephrologie, Urologie und Anästhesiologie. Dazu kommen Abstimmungen mit Kardiologie, Psychosomatik, Pathologie, Immunologie, Transfusionsmedizin, Mikrobiologie, Virologie, Radiologie und anderen. „Alle Disziplinen arbeiten fachübergreifend an einem gemeinsamen Ziel: Patientinnen und Patienten eine sichere Transplantation und eine langfristig gute Lebensqualität zu ermöglichen“, so Prof. Grützmann weiter. „Bei Lebendspenden kommt dazu, dass wir auch die Selbstbestimmung und die Gesundheit der spendenden Person jederzeit in höchstem Maße schützen“, ergänzte Dr. Heller.

Weitere Informationen:

Dr. Katharina Heller

09131 85-36025

tx-geschaeftsstelle(at)uk-erlangen.de