Aus persönlicher Dankbarkeit wird Hoffnung für viele
Marion-Wucherer-Förderpreis erstmals verliehen – ermöglicht innovative Forschung zur individualisierten Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs
Marion Wucherer weiß, wofür sie sich einsetzt: 2020 wurde sie selbst in der Chirurgischen Klinik des Uniklinikums Erlangen wegen eines Pankreaskarzinoms operiert. Aufgrund ihrer eigenen Krankheitsgeschichte hat die Erlangerin gemeinsam mit ihrem Ehemann Prof. Dr. Klaus Wucherer einen Förderpreis ins Leben gerufen, der künftig jährlich innovative Forschungsarbeiten zum Thema Bauchspeicheldrüsenkrebs auszeichnet. Dieser Marion-Wucherer-Förderpreis wurde nun erstmals verliehen: an PD Dr. Maximilian Brunner, geschäftsführender Oberarzt der Chirurgie, für sein Forschungsprojekt „Organoide zur Hervorsage des Ansprechens auf adjuvante Chemotherapie beim Pankreaskarzinom“. Der Preis ist mit 50.000 Euro Forschungsförderung zuzüglich 5.000 Euro als persönliche Auszeichnung für Maximilian Brunner dotiert.
Für Prof. Dr. Robert Grützmann, Direktor der Chirurgie, hat diese Auszeichnung eine besondere Bedeutung: „Vor mehr als sechs Jahren haben wir Frau Wucherer wegen ihres Pankreaskarzinoms operiert. Dass aus dieser Begegnung eine so außergewöhnliche Unterstützung unserer Forschung entstanden ist, bewegt mich persönlich sehr. Die Familie Wucherer setzt damit ein beeindruckendes Zeichen des Vertrauens in unsere Arbeit und der Hoffnung für zukünftige Patientinnen und Patienten.“
Forschung für eine maßgeschneiderte Krebstherapie
Im Mittelpunkt des geförderten Forschungsprojekts von PD Brunner steht ein innovativer Ansatz: Mithilfe sogenannter Organoide soll künftig vorhergesagt werden können, auf welche adjuvante Chemotherapie eine Patientin bzw. ein Patient nach der Operation am besten anspricht. Organoide sind dreidimensionale, im Labor gezüchtete Zellstrukturen, die aus dem Tumorgewebe einzelner Patientinnen und Patienten gewonnen werden. Diese Organoide bilden wichtige Eigenschaften des ursprünglichen Tumors nach und ermöglichen es, unterschiedliche Medikamente außerhalb des Körpers auf ihre Wirksamkeit zu untersuchen.
Gerade beim Pankreaskarzinom, einer der aggressivsten Krebserkrankungen, ist dies von großer Bedeutung. Denn: Auch bei erfolgreicher chirurgischer Entfernung des Tumors besteht ein hohes Rückfallrisiko. Eine anschließende Chemotherapie ist deshalb für viele Patientinnen und Patienten ein entscheidender Bestandteil der Behandlung. Allerdings sprechen nicht alle Tumoren gleichermaßen auf die eingesetzten Medikamente an. Ziel der Forschung ist es daher, bereits frühzeitig zu erkennen, welche Therapie individuell besonders Erfolg versprechend ist. Dadurch könnten künftig unwirksame Behandlungen vermieden, Nebenwirkungen reduziert und die Heilungschancen verbessert werden.
„Wir möchten weg von einer Behandlung, bei der Patientinnen und Patienten mit vergleichbaren Tumorstadien weitgehend die gleiche Therapie erhalten, hin zu einer individuell auf die Biologie des Tumors abgestimmten Behandlung“, erklärt Prof. Grützmann. „Patientenspezifische Organoide könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. Ob sie das Therapieansprechen tatsächlich zuverlässig vorhersagen, müssen wir in wissenschaftlichen Studien untersuchen.“
Ein Förderpreis mit besonderer persönlicher Bedeutung
Der Förderpreis trägt bewusst den Namen von Marion Wucherer. Ihr Ehemann Klaus Wucherer war über Jahrzehnte als Ingenieur und Manager bei der Siemens AG tätig und hat technologische Innovation und wissenschaftlichen Fortschritt maßgeblich mitgestaltet. Mit ihrer großzügigen Förderung möchte die Familie nicht nur herausragende wissenschaftliche Leistungen würdigen, sondern insbesondere junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützen und neue Forschungsprojekte auf dem Gebiet des Pankreaskarzinoms ermöglichen. Die enge Verbundenheit der Familie mit Erlangen, dem Uniklinikum Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bildet dabei die Grundlage dieses besonderen Engagements. „Dass ehemalige Patientinnen, Patienten und ihre Angehörigen unsere Arbeit nicht nur wertschätzen, sondern aktiv dazu beitragen, die Behandlung zukünftiger Patientinnen und Patienten zu verbessern, ist für uns eine ganz besondere Anerkennung“, betont Prof. Grützmann.
Internationale Spitzenforschung zu Gast in Erlangen
Den wissenschaftlichen Rahmen der erstmaligen Preisverleihung bildete das erste Pancreatic Cancer Symposium Erlangen am 23. Oktober 2026 im Translational Research Center. Ein Höhepunkt war der Festvortrag von Prof. Dr. Marc Besselink vom Amsterdam University Medical Center. Der international renommierte Pankreaschirurg zählt zu den führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Pankreaschirurgie und der klinischen Forschung zum Pankreaskarzinom. Weitere Vorträge widmeten sich aktuellen Standards der Pankreaschirurgie sowie der translationalen Forschung, also der Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus dem Labor in die Klinik.
Mit dem Symposium und dem neuen Förderpreis möchte die Chirurgische Klinik des Uniklinikums Erlangen ihre Forschungsaktivitäten weiter stärken, internationale Kooperationen fördern und insbesondere dem wissenschaftlichen Nachwuchs neue Perspektiven eröffnen. Aus einer persönlichen Krankheitsgeschichte ist damit eine Initiative entstanden, die weit über das Einzelschicksal hinausreicht: Forschung, die Hoffnung gibt – mit dem Ziel, die Behandlung des Pankreaskarzinoms für zukünftige Patientinnen und Patienten entscheidend zu verbessern.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Robert Grützmann
09131 85-33201
robert.gruetzmann(at)uk-erlangen.de




